Höhere Steuer für "Superreichen" / höhere Erbschaftssteur.

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Henk de Lamper
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Höhere Steuer für "Superreichen" / höhere Erbschaftssteur.

Beitrag von Henk de Lamper »

Dieses Thema wird gerade in der "Mailingliste" diskutiert.
Ich finde das komplett unübersichtlich, - und wie ich von andere gehört habe - die auch.
Wäre es nicht sinnvoller, das hier zu diskutieren?
Philippe Leick
Beiträge: 11
Registriert: Di 28. Nov 2023, 22:29
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Re: Höhere Steuer für "Superreichen" / höhere Erbschaftssteur.

Beitrag von Philippe Leick »

Hallo Henk,

ich würde es auch begrüßen, die Debatte hier weiterzuführen - aber bitte etwas differenzierter als bisher. Gerade auf einem komplexen Gebiet gibt es, um bei der Erbschaftssteuer zu bleiben, jede Menge Graustufen zwischen den Extrempositionen "Erbschaftssteuer ist Teufelszeug" und "Erben erfolgt ohne eigene Leistung und sollte deswegen maximal besteuert werden".

Ich bin kein Experte auf dem Gebiet der Ökonomie (die meisten anderen Diskutanten vermutlich auch nicht) und tue mich daher schwer, so manche Dinge richtig einzuordnen.

Aber ein paar Stichwörter kann ich nennen, bzw. ein paar Diskussionspunkte aufwerfen:
- In Deutschland werden pro Jahr schätzungsweise 400 Mrd. € vererbt oder verschenkt, das Aufkommen der Erbschaftssteuer liegt bei 11 Mrd € bzw. ca. 2.8%.
- Die Freibeträge sind sehr ordentlich, z.B. 500000 € für Eheleute, 400000 € für Kinder.
- Die Steuer kann in Extremfällen (sehr hohe Erbschaften die nicht an Verwandte gehen) bis zu 50% betragen.

Es sind auch ein paar generelle Einwürfe gemacht worden:
- Der Vergleich zwischen Sozialismus (am Beispiel Venezuela) und der reinen Lehre des Kapitalismus (am Beispiel Chile). Daraus, dass es Chile wirtschaftlicher besser geht soll der geneigte Leser seine Schlüsse ziehen - dabei ist wohl recht umstritten, inwiefern Pinochet Friedmans Ideen 1:1 umgesetzt hat und ob Chiles trotz oder wegen den Chicago Boys wirtschaftlich recht erfolgreich war. Es ist übrigens nicht lange her, dass aufgrund der enormen Ungleichheit es zu lang anhaltenden Protesten in Chile kam...
- Mit Berufung auf Thomas Piketty wurde behauptet, dass unregulierter Kapitalismus unweigerlich zu steigender Ungleichheit führt, dass die Ungleichheit seit den 80er Jahren massiv zugenommen hat und derzeit so hoch wie zuletzt in den 1920er Jahren, also vor der Weltwirtschaftskrise, ist. Es wurde aber auch auf Kritik an Piketty et al. verwiesen
- Wem Piketty suspekt ist: vielleicht lohnt sich ein Blick in Good Economics for Hard Times von Abhijeet Bahnerjee & Esther Duflo, die 2019 den Wirtschaftsnobelpreis gewonnen haben. Auch sie halten wenig vom neoliberalen Mantra, dass Steuern - insbesondere auf hohe Einkommen - wirtschaftlichem Wachstum im Wege stehen.
Henk de Lamper
Beiträge: 40
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Re: Höhere Steuer für "Superreichen" / höhere Erbschaftssteur.

Beitrag von Henk de Lamper »

Wo ich mich am meisten darüber aufrege, ist der Spruch: "das Geld wurde schon mal versteuert".
Jedesmal wenn Geld den Besitzer wechselt, wird es besteuert.
Man kann sich auch Gedanken darüber machen wer "der Staat" ist?
Ich würde sagen, die Gemeinschaft alle Bürger.
Und die allen müssen die Aufgaben, um den Staat betriebsfähig zu halten, finanzieren.
Jeder nach seine Möglichkeiten.
Ich kenne überhaupt nicht die Steuersätze, aber als "Otto Normalmalocher" wird mir die Steuer gleich vom Gehalt abgezogen. Steuer hinterziehen ist so gut wie nicht möglich.
Als Vermögender kann ich mein Geld überall anlegen. Steuer bezahlt man zwar nach Wohnsitz, aber Wenn man eine Firma hat, kann die ihren Sitz in Luxemburg, oder Kaimaninseln, oder wo auch immer haben. Was das auch immer das für "Firmen" sind.
Das gilt wohl eher nicht für Handwerksfirmen.
Außerdem habe ich als Firmeninhaber Firmenausgaben. Honi soit qui mal y pense, was darüber alles abgerechnet wird.
Man könnte sich auch mal Gedanken darüber machen, wer am meisten beiträgt zum funktionieren eines Staates. Die Millionen Angestellten und Kleinbetrieben, oder die, die durch Spekulation ein Vermögen machen?
Was soll daran falsch sein, wenn Erbschaften mit dem gleichen Satz versteuert werden wie sonstiges Einkommen?
Selbstverständlich mit den nötigen Freibeträgen.
Henk de Lamper
Beiträge: 40
Registriert: Sa 2. Dez 2023, 15:59
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Re: Höhere Steuer für "Superreichen" / höhere Erbschaftssteur.

Beitrag von Henk de Lamper »

Schön, dass ich nicht allein bin. Sogar jemand, den man Sozialneid nicht vorwerfen kann.

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